Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT)
Der menschliche Körper ist aus circa 70 Billionen Zellen aufgebaut. Jede dieser Zellen verfügt über zahlreiche winzige “Kraftwerke”, die Mitochondrien. In ihnen wird das Molekül Adenosintriphosphat (ATP) gebildet, das die chemische Grundlage für alle lebenswichtigen Reaktionen und Stoffwechselprozesse des Körpers bildet.
Diese Fähigkeit des Körpers zur effektiven Energiegewinnung wird einerseits durch den natürlichen Alterungsprozess des Menschen und andererseits durch krankmachende Einflüsse verschiedenster Ursachen beeinträchtigt. Nahezu alle chronischen und degenerativen Erkrankungen sind mit einem Energiemangel in den Zellen verbunden.
Einmal geschädigte Mitochondrien vermehren sich zwar weiter, sind aber nicht mehr richtig funktionsfähig und behindern die noch gesunden Mitochondrien. Zudem vermehren sich geschädigte Mitochondrien schneller als gesunde.
Viele Krankheiten beruhen unter anderem auf einer gestörten mitochondrialen Funktion durch die Kumulation geschädigter Mitochondrien in den Zellen, Geweben und den Organen. Im Vordergrund stehen alle Erschöpfungssyndrome, sei es aufgrund von psychischem oder physischem Stress oder auch als Folge einer Infektionskrankheit.
Das Intervall-Hypoxie-Training, bekannt unter dem Begriff Höhentraining, ist ein seit Jahrzehnten anerkanntes Verfahren, das anfänglich von Forschern in Russland für das Piloten- und Kosmonauten-Training zur sicheren Gewöhnung des Stoffwechsels an große Höhen entwickelt wurde. Aufgrund der positiven Stimulierung und Regulierung einer Vielzahl von Körperfunktionen wird diese Methode bereits seit langem beim Training von Spitzensportlern eingesetzt. Erst im letzten Jahrzehnt wurden die positiven Effekte einer Kombination aus Hypoxie (wenig Sauerstoff) und Hyperoxie (viel Sauerstoff) in der medizinischen Forschung entdeckt. Zunehmend wird diese Methode auch zur Behandlung chronischer und degenerativer Erkrankungen eingesetzt.
Durch ein solches Zelltraining nach der IHHT-Methode kann die Energiegewinnung in den Zellen spür- und messbar optimiert werden. In der hypoxischen, sauerstoffarmen Phase werden erschöpfte, nicht mehr voll funktionsfähige Mitochondrien zerstört und die Vermehrung gesunder, physiologisch „jüngerer“ Mitochondrien in den Zellen angekurbelt. In der hyperoxischen, sauerstoffreichen Phase dagegen wird der Zelle nicht nur eine „hypoxische Pause“ angeboten, sondern es werden auch Entgiftungsprozesse auf der Ebene der Zellen und der Organe aktiviert. Die Zellen werden widerstandsfähiger gegenüber oxidativem Stress. Auch kann die Hyperoxie gezielt bei chronischen Infekten angewendet werden, bei denen die Bakterien sauerstoffsensibel sind (zum Beispiel chronische Borreliose).
Die gesundheitsfördernden Effekte der IHHT sind vor allem
- mehr Zellenergie (ATP)
- mehr Schutz vor oxidativem Stress durch Stimulation des körpereigenen Coenzym Q 10
- Stärkung des Immunsystems
- Steigerung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit
- Leistungssteigerung des Herz-Kreislauf-Systems (u.a. Senkung eines erhöhten Blutdruckes und des Ruhepulses)
- Verbesserung der Stressresistenz
- Balancierung der Hormonproduktion
- Stimulierung der Bildung roter Blutkörperchen
- Anpassung des Atmungssystems bei chronischen Lungenerkrankungen
- Aktivierung der Fettverbrennung, dadurch Unterstützung bei Gewichtsabnahme und Verbesserung einer diabetischen Stoffwechsellage
Durch diesen effektiven Trainingsreiz werden innerhalb der Mitochondrien zahlreiche biochemische Prozesse zur Selbstheilung und Regeneration aktiviert. Im Laufe eines Therapiezyklus kann sich auf diese Weise die Zahl gesunder, vitaler Mitochondrien in den Zellen erhöhen. Eine Kuranwendung umfasst mindestens 10 Behandlungseinheiten von 40-50 Minuten innerhalb von 3-4 Wochen.
Das Zelltraining erfolgt ganz entspannt auf einer Liege. Über eine Atemmaske wird abwechslungsweise für jeweils einige Minuten Luft mit wenig (Hypoxie) und Luft mit viel Sauerstoff (Hyperoxie) eingeatmet. Die Sauerstoffkonzentration in unserer Atemluft beträgt 21%. Bei der IHHT werden eine individuell gesteuerte, therapeutische Hypoxie (15 bis 9% Sauerstoff) und eine Hyperoxie (36% Sauerstoff) eingesetzt. Ein vorab eingestellter therapeutischer Zielwert der Sauerstoffsättigung in der hypoxischen Phase wird durch die Regelung des Sauerstoffgehaltes nicht unterschritten, so dass gleichzeitig immer eine ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleistet ist.
Indikationen und Kontraindikationen für die Intervall Hypoxie Anwendung
Indikationen für therapeutisches IHHT:
- Metabolisches Syndrom (Unterstützung beim Abnehmen)
- Neurodegenerative Erkrankungen, insbesondere in frühen Krankheitsstadien (z.B. Demenz)
- Sekundäre mitochondriale Funktionsstörungen / mitochondriale Dysfunktion
- Chronische Atemwegs- und Lungenerkrankungen (z. B. COPD, Asthma bronchiale)
- Koronare Herzkrankheit (KHK), einschließlich stabiler Angina pectoris (CCS I–III)
- Arterielle Hypertonie (Grad 1–2, stabil)
- Neurovegetative Dysregulation
- Sekundäre Immundefizienz
- Diabetes mellitus Typ 2 (auch insulinpflichtig)
- Onkologische Erkrankungen: supportive Therapie zur Verbesserung der Belastbarkeit während Chemo-/Radiotherapie
- Schlafstörungen (Insomnie)
- Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) / Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS)
- Post-COVID-Syndrom
- Erschöpfungssyndrome / Burnout
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. nach Myokardinfarkt
- Zustand nach Schlaganfall (ischämisch oder hämorrhagisch) / zerebrovaskuläre Insulte
- Postoperative Rehabilitation nach chirurgischen Eingriffen, einschließlich Tumorchirurgie
- Zustand nach medizinischer oder akzidentieller Strahlenexposition (supportiv zur Regeneration, insbesondere des hämatopoetischen Systems)
Kontraindikationen zur IHT:
- Akute Infektionskrankheiten
- Akute Exazerbation chronisch-entzündlicher Erkrankungen
- Fieber unklarer Genese
- Akute kardiovaskuläre Notfälle (Myokardinfarkt, hypertensive Krise, akuter Schlaganfall, instabile Angina pectoris)
- Spontaner Pneumothorax
- Status asthmaticus
- Akute Lungenembolie
- Intensivpflichtige Zustände (Schock, Kohlenmonoxidintoxikation)
- Schwere arterielle Hypertonie (Grad 3; relative Kontraindikation)
- Angeborene Herzfehler und relevante Gefäßfehlbildungen
- Hämodynamisch relevante Links-Rechts-Shunts
- Hochgradige Klappenvitien (z. B. schwere Aortenstenose, Mitralstenose)
- Dekompensierte Myokarditis oder Perikarditis
- Schwere Angina pectoris (CCS III–IV)
- Dekompensierte chronische Organerkrankungen
- Schwere respiratorische Insuffizienz (hyperkapnisch oder terminal)
- Terminale Niereninsuffizienz (Dialysepflicht)
- Diabetes mellitus Typ 1 im Kindes- und Jugendalter (relative Kontraindikation)
- Akute psychische Erkrankungen mit Instabilität
- Nachgewiesene Hypoxieintoleranz (relative Kontraindikation)
- Schwangerschaft im ersten Trimester